WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Bedrohte Paradiese und unsere Aktivitäten in Griechenland

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Re: WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Beitrag von Caro » 18 Apr 2010 17:18

Das hat mir jetzt keine Ruhe mehr gelassen, lieber Robert :oops:

Schau mal, was ich da beim Gugeln eben zum Thema gefunden habe ...
ist doch durchaus positiv, dass sich doch auch Leute aktuell darum BEMÜHEN !!!! :respect:

http://www.europarl.europa.eu/sides/get ... XML+V0//DE

Liebe Grüße
Caro

P.S. Was ich noch versäumt habe, ist, dass ich Euch den "Chima Krasí" von Santorini wärmstens empfehle !!!! Auch der Weisse ist jetzt um diese Jahreszeit noch ungekippt und ein absoluter Traum :wink:
"Auch wenn es gelänge, die Tiere vor uns zu schützen, hätten wir nichts erreicht. Erst wenn es uns gelingt, die Tiere nicht mehr schützen zu müssen, sind wir am Ziel. Dann haben wir etwas verändert: UNS !" Zitat von Michael Aufhauser

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Re: WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 18 Apr 2010 17:46

Caro hat geschrieben:Lieber Robert !
WAAS, das Teil "saut" IMMER NOCH in die Umwelt !!??! :shock:
Für alle, hier eine alte Info ... :roll:
http://www.sueddeutsche.de/panorama/101/447835/text/
Liebe Grüße Caro
Ja, leider... Es gibt so eine ringförmige Ölbarriere über der Stelle ..., so einen Ring... :shock: (als ob es keine Wellen, keinen Wind und keine Strömungen gäbe ...). Das ist vorerst die Lösung. Und wenn man am Strand (da ist so ein Block- und Geröllfeld und weiter auch Lavasand) Steine umdreht, dann ist alles voller Öl. Mit dem Boot hinfahren darf man nicht, die Polizei passt auf... Die Umweltschutzszene steigt hier zwar auf die Barrikaden, aber bisher hat es nichts geholfen.
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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Re: WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 18 Apr 2010 17:52

Heute war der letzte Tag auf Santorini. Wir haben die Vulkaninseln in der Caldera zusammen mit Massen von Touristen besucht... Und anschließend die heißen Quellen, das Wasser war trotzdem ...kalt. :)
Morgen geht es zurück nach Athen (einige Termine bei Umweltschutzorganisationen), anschließend weiter nach Kreta...
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Re: WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 19 Apr 2010 20:28

Heute war ein harter Tag für unser Team... Aufstehen um 5 Uhr, Flug nach Athen, dann lange Fahrt durch Athens Stau zum Meeresschildkröten-Hospital von Archelon http://www.archelon.gr/index_eng.php , dann eine weitere lange Fahrt ins Zentrum zu MEDASSET http://www.medasset.org/cms/index.php , anschließend schnell einige Fotos von der Akropolis, dann lange Fahrt zum Flughafen, schließlich ziemlich harte Landung in Heraklion auf Kreta, bei der wir uns fast schon ein wenig gefürchtet haben (es ist hier stürmisch)...

Es hat sich aber geloht! :) Die Volontäre von Archelon kümmern sich rührend um die verletzten und kranken Meeresschildkröten. Wir haben sehr viele gute Interviews geführt und viel Neues über die Situation des Natur- und Tierschutzes in Griechenland erfahren.

Nun sind wir also auf Kreta...
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Re: WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 19 Apr 2010 22:06

für Caro

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Re: WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Beitrag von Caro » 21 Apr 2010 16:53

Dr. Robert Hofrichter hat geschrieben:Heute war ein harter Tag für unser Team... dann lange Fahrt zum Flughafen, schließlich ziemlich harte Landung in Heraklion auf Kreta, bei der wir uns fast schon ein wenig gefürchtet haben (es ist hier stürmisch)...
Lieber Robert !
Die Leute von Archelon sind wirklich Engel !!!!! :)

Tjaaa, so ein Inlandsflug (mit Olympiaki ?!?) hat schon was :mrgreen:
Windstärke 6, "no problem" -- habe da schon mal in Iraklio auf den Abflug (mit Olympiaki) wartend, 3 Durchstarter gesehen !!!! :roll:
Die einheimischen Abholer fingen bei Nr.2 an zu beten, die Frauen zu weinen und zu schreien ... ich hab mir dann gegen meine Gewohnheit in der Bar am Inlandsterminal noch ne Halbliter-Pulle Retsina/Malamatina geholt ... :oops:

Danke Dir für das neue Maultierfoto !
Die Halsbänder, die sie dem Besitzer zuordnen lassen, sind zu eng !!!! :(
Und aus Hanf, wie auch die Halfter ... :?
Von der "Konstruktion" des Sattel"gurts" rede ich jetzt lieber nicht weiter. Schmerzhaft für das Tier und gefährlichst für den Reiter !!!! :shock:
Dann noch die Rückversicherung des Sattels/Reiters über den Halsansatz des Tieres UND über eine Kette am Kinnriemen des Halfters :shock: ist nur noch heftigst :shock:

Weiterhin viel Erfolg und brisante Themen :D

Liebe Grüße
Caro
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Re: WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 21 Apr 2010 20:12

Lagocephalus sceleratus ist die aktuelle ichthyologische Sensation im Östlichen Mittelmeer.

Bild

Der Kugelfisch erregt die Aufmerksamkeit der Medien... Die Fischer hassen ihn, mit seinen scharfen Zähnen zerbeißt er Netze und Langleinen...
http://www.cretegazette.com/2007-05/cre ... eratus.php
http://www.partnerbiz.net/griechenland- ... 07-06.html
http://www.derwesten.de/nachrichten/pan ... 63004.html
http://www.fishbase.org/summary/Species ... hp?id=4761

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Re: WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 21 Apr 2010 21:06

Meine Begegnung mit der Kretischen Dattelpalme :)

... ein besonderes Erlebnis war der Besuch von Moni Preveli im Süden Kretas. Da ist der zweitgrößte Bestand von Phoenix theophrasti. Die Palme, die der Echten Dattelpalme sehr ähnlich sieht, wächst nur an wenigen Standorten auf Kreta und an der Südwestküste der Türkei.

Bild Der Fluss Megalopotamos mündet ins Libysche Meer. Hier findet sich einer der nur acht Bestände dieser Palmenart auf Kreta.

Die Kretische Dattelpalme wurde erst 1967 von Werner Greuter als eigene Art Phoenix theophrasti beschrieben, die Populationen wurden bis dahin zu Phoenix dactylifera gestellt. Die beiden Arten sind Schwesterarten. Die Palme war bereits seit der Antike bekannt. Theophrastos von Eresos und Plinius der Ältere haben sie beschrieben. Greuter hat sie daher nach dem griechischen Naturforscher benannt.

Bild
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Re: WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 22 Apr 2010 17:25

Ein großes Problem des Mittelmeeres: die Überfischung

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Ein enormes Umweltproblem von Kreta und des Mittelmeeres generell (eigentlich: der Welt...) ist die massive Überfischung. Wir konnten ein Interview mit dem Chef des Fischereiverbandes von Herakleion (Haupstadt von Kreta) http://de.wikipedia.org/wiki/Iraklio machen (im Bild zweiter von rechts).
Zuerst dachte ich, dass er seine Fischer schützen und alles beschönigen wird. Doch weit gefehlt. Dieser Mann ist ein echter Kämpfer für die Fische, für den Schutz des Mittelmeeres und gegen die Überfischung. Es war ein sehr ehrliches Interview und ein schonungsloses Aufdecken der Situation. Es geht ihm um die Zukunft, erklärte er, darum, dass seine Kinder und Enkel auch noch Fische im Mittelmeer erleben können.

Derzeit ist die Situation nach seiner Aussage so: Schleppnetze mit 8 mm Maschenweite (!!!) werden über Posidonia-Wiesen geschleppt. Alles wird zerstört, juvenile Fische herausgeholt, die sich noch nie reproduzieren konnten, dann als nutzloser Beifang wieder ins Meer gekippt. Die Folge: Statt 80 Arten, die in seiner Jugend noch gefangen wurden, werden heute nur noch 8 Fischarten gefangen.

Wir haben uns den Markt angeschaut: Alles nur kleine Exemplare, die noch lange nicht geschlechtsreif sind! Wir sahen Meerbarben (Mullus sp.) mit vielleicht nur 10 bis 14 cm.

Und dieser Eindruck bestätigt sich leider auch unter Wasser. Denn man sieht zwar Meerbrassen (Sparidae), die zu den typischsten Litoralfischen des Mittelmeeres gehören, aber ausschließlich Juvenile. Kein einziges größeres Exemplar (außerdem sind fast schon mehr Kyphosidae - Ruderbarsche aus dem Roten Meer zu sehen als mediterrane Meerbrassen).
Und wir haben schließlich auch die Netze mit 8 mm Maschenweite im Hafen entdeckt, die der Chef des Fischereiverbandes kritisiert (und gegen die er Demonstrationen organisiert). Schärfere Gesetze gibt es schon längst (immerhin ist Griechenland schon lange Mitglied der EU), doch keiner hält sich daran. In Griechenland scheint noch alles möglich zu sein, auch massivste Rechtsverletzungen.

Für mich ist dieser Mann ein wahrer Held für den Meeresschutz, der sich traut die Wahrheit laut in die Kamera zu sagen.

Bild

Bild Im Hafen von Herakleion...

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Re: WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Beitrag von Caro » 22 Apr 2010 17:39

Lieber Robert !

Oh, ein Kofferfisch verschwimmt sich ins Mittelmeer :o
:P Aber das Warnplakat (hängt das übrigens auch aus ??!?) ist zu gut ... "gefährlicher Fisch ! Esst ihn nicht !" 8)
Ansonsten gefällt mir sein Verhalten auch sehr gut :angle:

Und in Preveli wart Ihr auch !!!!!! :D
Ich bin ja auch ein Dödel, das mit den endemischen Palmen hatte gar ich nicht geschrieben :oops: - aber klar, auf Deinen wie immer fantastischen Fotos ist wunderbar zu sehen, wie sie in dem traumhaften Wald entlang des Flusses immer wieder bereichern.
Übrigens, neben Vai, das eben für diese Palmen, die da auch am Flussende einen richtigen Hain bilden, eben bekannt ist, sind sie auch in der nächsten Bucht westlich von Vai in Ìtanos zu finden :)
Aber bestimmt meintest Du diesen Ort mit den DREI Plätzen, wo diese Palme vorkommt.

Liebe Grüße
Caro
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Re: WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Beitrag von Caro » 22 Apr 2010 17:46

:oops: Zeitgleiche Post ..

:respect: Ohne solche Diamanten an Menschen wie dem Chef des Fischereiverbands von Irakleio hätte ich längst den Glauben an die Menschen in Kreta verloren.
Und eine wunderbare Nachricht von Dir, lieber Robert, dass es solche Menschen dort immer noch gibt !
DANKE !

Liebe Grüße
Caro
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Re: WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 06 Mai 2010 07:27

Eine kurze, düstere Zusammenfassung meiner Eindrücke mach 2 Wochen Griechenland

... man sollte sicherlich nicht bei der Kampagne des Boulevards mitmachen (wie sie in den letzten Tagen leider zunehmend stattfindet) und sagen: "Die Griechen"...

Denn wie überall auf der Welt und in jedem Volk gibt es solche und solche... Pauschalurteile sind also falsch und politisch und inhaltlich nie korrekt. "Die Griechen" gibt es nicht. Nur verschiedene Menschen. Anständige und unanständige. Ehrliche und korrupte. An die 2 Millionen Griechen sollen unter der Armutsgrenze leben. Die können sicher recht wenig für die Finanzkrise.

Was aber ein Fakt ist, ich konnte es mit eigenen Augen sehen:
dass Korruption und Bestechung extrem weit verbreitet sind, dass Menschen keine Steuern zahlen ist extrem weit verbreitet, dass Menschen über ihre Verhältnisse leben, Familien mehrere Autos haben etc. ist extrem weit verbreitet, dass man nur an das eigene Wohl und nicht an das Gemeinwohl, an die Gesellschaft, an den Staat denkt - und an die Natur, ist extrem weit verbreitet,
dass man auf Kreta mit 600.000 Menschen 1,8 Mio Waffen hat ist typisch, dass überall hunderte und tausende illegale Mülldeponien sind , selbst an Wasserquellen und karstigen Höhelnsystemen, so dass das Wasser mit Arsen, Asbest und Schwernetallen verschmutzt ist, so auch direkt neben der Kornkammer Kretas auf so einer Hochebene,
dass direkt im Nationalpark überall schwarz gebaut wird (ganze Dörfer) und keiner sich darum kümmert, die Küsten werden zubetoniert, in der A Zone, dass immer noch mit Dynamit gefischt wird, dass es Fischer gibt, die eine Waffe bei sich tragen und auf Mönchsrobben schiessen (eine der seltensten Tierarten der Erde), dass die wertvollsten ausgewiesenen Lebensräume und Feuchtgebiete kontinuierlich auf eine unglaubliche Weise, die man in der EU nicht für möglich halten würde, zugemüllt werden,
dass an all dem auch die Machtinhaber, Bürgermeister, viele Politiker und weitere Einflussreiche beteiligt sind, dass an den wertvollsten Schildkrötenstränden seit Monaten Öl liegt, das keiner entfernt,
dass die Sea Diamond nach 3 Jahren in der Caldera von Santorini liegt und täglich neues Öl austritt, dass in keinem Naturschutzgebiet eine Aufsicht ist, die irgendetwas kontrolliert (oder eine Infotafel steht... Naturdenkmal... wie bei uns...),
dass die Menschen schon lange vor der Krise das (viele) Geld im Ausland sicher deponiert haben, dass mit der Hilfe der EU Straßen bis in die letzten Gipfelregionen der Berge gebaut werden und damit die sensibelsten Ökosysteme der Ausbeutung preisgegeben werden, dass dieses Ged meist nicht ausreicht um die Projekte abzuschließen, dafür aber plötzlich viele Zufahrten zu Privathäusern entstehen (für die extra Schmiergeld bezahlt wird, irgendwer verdient also doppelt),
dass Fischer mit 8 mm Netzen fischer, wo 4 cm vorsgeschrieben sind, dass es Meeresbereiche gibt, wo du unter Wasser überhaupt nichts mehr siehst, kein marines Leben mehr, dass auf den Fischmärkten zentimeterlange Fische verkauft werden, dass auf Journalisten sogar geschossen wurde oder sie verprügelt wurden, wenn sie illegale Bauten im Nationalpark filmen wolltenl ... und so weiter... so könnte ich noch weitermachen - all das ist die Realität Griechenlands, wie ich sie jetzt mit eigenen Augen gesehen und von den dort lebenden Menschen (von sehr vielen) gehört habe.

Dass alles in jedem anderen Land genau so ist, glaube ich einfach nicht. Ich habe ja auch Augen und lebe seit 30 Jahren in Österreich. Es ist definitiv anders in den Mittel- und Nordeuropäischen Ländern.

Klar, es gibt überal Korruption und Bestechung und andere Rechtsverletzungen. Aber in der Dimension, so offenkundig ... das hätte ich in der EU nicht erwartet und nicht für möglich gehalten. Dass dieses Land zutiefst in mehreren Krisen steckt, nicht nur in einer finanziellen, davon bin ich zutiefst überzeugt. Denn die Art, wie die Menschen mit der Umwelt umgehen, die sie an ihre Kinder und Enkel weiter geben, ist ein Spiegel der moralisch-ethischen Reife einer Gesellschaft. In einer Gesellschaft muss auf das Ganze geachtet werden, kann nicht jeder nur auf sich achten, sonst ist es keine überlebensfähige Gesellschaft.

"Die Griechen" gibt es nicht, sondern nur sehr viele Menschen in diesem Land, die lange Jahre (und wohl noch länger) egoistisch und verantwortungslos gehandelt haben, ohne Rücksicht auf die Natur und ohne Rücksicht auf das Gemeinwohl. Es wäre wichtig, wenn man die bestrafen könnte...

Mein letzter Eindruck von der Insel Zakynthos: Ich gehe abends spazieren. Wunderbare Stimmung. Alles blüht. Die Schwalben flirten und jagen wie Raketen durch die Luft. Ein Feuchtgebiet an der Küste, Nationalpark, Zone B. Ziemlich viel Müll, überall. Rechts und links wird geschossen. Ein Regen aus Schrotkugeln prasselt auf meinen Kopf nieder. Ich fürchte mich ein wenig. Ich mache ein Foto. Ein Mann steht im dichten Schilf auf und schreit mich an, mit dem Gewehr in der Hand. Ich gehe lieber weiter. Laute Schüsse rechts und links... Angeschossene Tauben zucken am Boden. Väter und Söhne, die vielleicht nur 10 oder 12 sind. Nationalpark, Zone B. Habe ich auch noch nicht erlebt...
Ich bin kein Freund von Waffen.
Ich mag Menschen nicht, die (sinnlos) auf Vögel schießen, aus Spaß, Tradition...
Ich denke an den langen Weg, den die Vögel gerade aus Afrika zurückgelegt haben...
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Re: WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Beitrag von Caro » 06 Mai 2010 17:30

Caro hat geschrieben:Noch was, lieber Robert !

Die Kreter, wie die meisten Inselgriechen, sind übrigens auch begeisterte Vogeljäger :| und auch heutzutage landet nicht "nur" die eine oder andere Amsel im Kochtopf :(

Gut, mit dem Tourismus hat das jetzt nichts zu tun --- aber wenn Ihr mal an nem Sonntagvormittag da unterwegs seid und es knallen hört ... dann passt aber bitte auf Euch auf !!!! Da wird nämlich auch militärisch anmutende Tarnkleidung verwendet ... :?

....

Liebe Grüße
Caro
Das hättest Du mir nicht geglaubt ... :| , wenn Du es nicht selbst jetzt erleben musstest ... .

Lieber Robert !
Deinem Fazit bleibt nichts hinzu zu fügen ... traurig, aber leider WAHR :(
Etsi einai ...

Liebe Grüße
Caro
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Re: WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Beitrag von amatpress » 07 Mai 2010 08:02

Wenn man diesen Bericht liest, kann man kaum glauben, dass so etwas wirklich wahr sein kann. Ich bin echt schockiert :shock: , obwohl Robert schon vorher in den kürzeren Blogs angedeutet hat, dass die Umwelschutz betreffende Situation dort alles andere als gut ist.
Es ist kaum zu glauben, dass die Behörden offensichtlich gar nichts dagegen tun.
Traurig ist, dass wir fast nichts dagegen tun können :( , ich werde aber wenigstens den Inhalt dieses Berichtes in meiner Umgebung weiter erzählen und hoffe, das den Griechenland-Teil von den "Bedrohten Paradiesen" möglichst viele Menschen sehen werden.

Liebe Grüsse
Reni

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Re: WDR-Serie Bedrohte Paradiese/mare-mundi/Griechenland

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 12 Mai 2010 12:03

Ich habe hier vor der Griechenlandreise von meinem Traum berichtet nach Gavdos http://de.wikipedia.org/wiki/Gavdos zu fahren und dort viele nette Kollegen zu treffen, die gerade so eine Art Expedition durchgeführt haben (organisiert von Dr. Andreas Traxler). Das ist der südlichste Punkt Europas. Vor einigen Jahren haben noch viele Kollegen von der Insel geschwärmt, sie sollte auch unter Wasser ein Naturparadies sein, ganz anders als der Süden Kretas, wo unter Wasser schon lange alles kaputt ist.

Leider hat es mit dem Treffen nicht geklappt (Verzögerungen bei den Dreharbeiten durch die Aschenwolke, keine tägliche Verbindung, zu viel Wind...). Ich konnte also meinen Traum nicht verwirklichen. Doch habe ich Berichte von den Meeresbiologen gehört, die dabei waren. Und diese Berichte sind erschütternd. Es ist nämlich alles genauso kaputt wie auf Kreta. Die Fische sind verschwunden. Einer der Kollegen, der das Mittelmeer sehr gut kennt, hat gemeint: So etwas hat er im Mittelmeer noch nie und nirgendwo gesehen ..., eine Unterwasserwelt ohne Leben... :shock:

Traurig, was da mit dem südlichsten Punkt Europas passiert ist!
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